{"id":31,"date":"2020-06-04T19:21:32","date_gmt":"2020-06-04T19:21:32","guid":{"rendered":"http:\/\/haase.network\/?p=31"},"modified":"2020-06-11T13:46:24","modified_gmt":"2020-06-11T13:46:24","slug":"belasten-staatsschulden-kommende-generationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/haase.network\/?p=31","title":{"rendered":"Enkel von Schuldenlawine \u00fcberrollt ?"},"content":{"rendered":"\n<p>Friedrich Merz darf in einem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2020-05\/friedrich-merz-coronavirus-politik-wissenschaft-massnahmen-pandemie\/seite-2\" target=\"_blank\">Interview in der ZEIT<\/a> behaupten: \u201eDenn alles, was von den \u00f6ffentlichen Kassen jetzt ausgegeben wird, muss von nachfolgenden Generationen bezahlt werden.\u201c Und er ist bei weitem nicht der Einzige, der so etwas in jedes erreichbare Mikrofon posaunt. Die Aussage erscheint zun\u00e4chst einmal so plausibel, dass selbst kritische Journalisten nicht dazu neigen, hier mal genauer nachzufragen, was das denn hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leserin, der H\u00f6rer oder Zuschauer stellt sich dann seine armen Enkelkinder vor, die noch lange nach seinem Tod schwer schuften m\u00fcssen, weil wir heute &#8222;\u00fcber unsere Verh\u00e4ltnisse gelebt&#8220; haben. Und wer will das schon seinen Enkelkindern zumuten. Na ja, einige wohl schon, viele aber eher nicht. Und dann machen wir uns halt Sorgen \u00fcber die weiter wachsenden Schuldenberge des Staates.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong><em>K\u00f6nnen wir heute verbrauchen, was erst in 30 Jahren produziert wird?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist genau das, was Herr Merz, Herr Lindner, Herr Brinkhaus und andere erreichen wollen, obwohl sie als wirtschaftswissenschaftlich gut ausgebildete Menschen ganz genau wissen, dass es v\u00f6llig unm\u00f6glich ist, dass wir heute bereits das verbrauchen k\u00f6nnen, was erst in 30 Jahren von unseren Enkeln produziert wird. Sie wissen genau, dass mit dem Geld, das heute ausgegeben wird, egal wie viel es sein mag, immer nur Produkte und Dienstleistungen gekauft werden k\u00f6nnen, die auch heute produziert werden. Das hei\u00dft, wenn der Staat heute Geld ausgibt, dann macht das zwar viel Arbeit, aber eben heute. Man kann auch sagen: Der Staat schafft Arbeitspl\u00e4tze, wenn er mehr ausgibt, als er einnimmt. <\/p>\n\n\n\n<p>Und was haben Merz, Lindner und Brinkhaus denn gegen Vollbesch\u00e4ftigung? Nun, den gut bezahlten Altersruhesitz im Aufsichtsrat eines Dax-Unternehmens, verdient man sich nicht mit Wohltaten f\u00fcr Arbeitslose, sondern nur mit Wohltaten f\u00fcr Aktion\u00e4re. Und Aktion\u00e4re sch\u00e4tzen Vollbesch\u00e4ftigung nun mal gar nicht, weil dann die L\u00f6hne steigen und die Dividenden sinken w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was passiert denn nun mit den vielen Schulden in der n\u00e4chsten Generation? Wir wissen ja schon: Schuften m\u00fcssen unsere Enkel daf\u00fcr nicht, denn alles, was die in ihrer Generation produzieren, kommt auch dieser Generation zugute, muss und kann nur von ihr verbraucht werden, ist nicht weg durch unsere Schulden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong><em>Schulden des Staates sind Guthaben der B\u00fcrger<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen, was mit den Schulden passiert, muss man wissen, bei wem der Staat denn die Schulden hat. Wer sind die Gl\u00e4ubiger? Nun, das sind erstmal Leute, die f\u00fcr ihre Altersvorsorge sparen und daf\u00fcr sichere Staatsanleihen kaufen. Die verkaufen die dann irgendwann wieder, um davon zu leben, aber dann sparen gerade andere J\u00fcngere f\u00fcr das Alter und kaufen diese Staatsanleihen. Aus der Sicht des Staates bedeutet das, dass diese Schulden immer wieder verl\u00e4ngert werden k\u00f6nnen, also niemals zur\u00fcck gezahlt werden m\u00fcssen. Und weil bei wachsenden Einkommen ja immer mehr Leute immer mehr Geld f\u00fcr das Alter sparen wollen, also die Nachfrage nach den Staatspapieren eher steigt, k\u00f6nnen (und m\u00fcssen) auch die Staatsschulden weiter steigen, damit die Sparer ausreichend sichere Geldanlagen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es noch die so unglaublich Reichen, die so viel Geld haben, dass sie das gar nicht ausgeben k\u00f6nnen. Die kaufen auch gern die sicheren Staatsschulden und zahlen daf\u00fcr sogar noch Minuszinsen, wie wir inzwischen wissen. Diese vererben diese Papiere an ihre Kinder und Enkel, die dann meistens auch wieder so unglaublich reich sind, dass sie das Geld nicht ausgeben k\u00f6nnen und daher die Papiere wieder an ihre Kinder vererben. Das hei\u00dft auch: Je reicher die Reichen werden, desto h\u00f6her k\u00f6nnen (und m\u00fcssen) die Staatsschulden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es werden an die folgenden Generationen also nicht nur die Schulden vererbt, sondern in gleicher H\u00f6he ja auch die Guthaben. Und so sind alle gl\u00fccklich: die Sparer, weil sie ihre Guthaben behalten k\u00f6nnen und der Staat und die Steuerzahler, weil sie so die Schulden niemals zur\u00fcck zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber kann das wirklich ewig so weiter gehen? Ja und Nein.  Dazu will ich aber in anderen Artikeln Stellung nehmen, z.B. <a href=\"http:\/\/haase.network\/?p=121\">hier<\/a>. Denn die Titelfrage <strong>dieses<\/strong> Artikels &#8222;Belasten Staatsschulden kommende Generationen ?&#8220; ist hier mit einem eindeutigen Nein beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong><em>Wo ich gelernt habe:<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<ul><li>G\u00fcnter Grunert, <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2019\/09\/mythen-ueber-budgetdefizite-und-staatsverschuldung-1\/\">https:\/\/makroskop.eu\/2019\/09\/mythen-ueber-budgetdefizite-und-staatsverschuldung-1\/<\/a><\/li><li>Michael Paetz, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.wiso.uni-hamburg.de\/fachbereich-vwl\/ueber-den-fachbereich\/mitglieder\/paetz-michael\/daten\/makro\/makro2019-kapitel-1-18.pdf\" target=\"_blank\">https:\/\/www.wiso.uni-hamburg.de\/fachbereich-vwl\/ueber-den-fachbereich\/mitglieder\/paetz-michael\/daten\/makro\/makro2019-kapitel-1-18.pdf<\/a><\/li><li>Fritz Helmedag, <a href=\"https:\/\/www.tu-chemnitz.de\/wirtschaft\/vwl2\/downloads\/makro1\/Makro_Teil_I_(2).pdf\">https:\/\/www.tu-chemnitz.de\/wirtschaft\/vwl2\/downloads\/makro1\/Makro_Teil_I_(2).pdf<\/a>Foto: <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Foto: Jerzy Sawluk \/ pixelio.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Merz darf in einem Interview in der ZEIT behaupten: \u201eDenn alles, was von den \u00f6ffentlichen Kassen jetzt ausgegeben wird, muss von nachfolgenden Generationen bezahlt werden.\u201c Und er ist bei weitem nicht der Einzige, der so etwas in jedes erreichbare Mikrofon posaunt. 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