{"id":121,"date":"2020-06-07T05:09:15","date_gmt":"2020-06-07T05:09:15","guid":{"rendered":"http:\/\/haase.network\/?p=121"},"modified":"2020-06-11T14:29:25","modified_gmt":"2020-06-11T14:29:25","slug":"inflation-durch-die-corona-finanzpakete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/haase.network\/?p=121","title":{"rendered":"130 Milliarden vom Staat: Kommt jetzt die Inflation ?"},"content":{"rendered":"\n<p>130 Milliarden will die Bundesregierung ausgeben, Europa plant gar 500 Milliarden (500.000.000.000\u20ac) Mehrausgaben, um die Wirtschaft in der  Corona-Krise zu stabilisieren. Auch Italien, Frankreich und Spanien nehmen weitere Kredite auf und wollen mehr ausgeben. Muss diese Schuldenlawine uns nicht unweigerlich in die Inflation f\u00fchren?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn meine Gro\u00dfmutter von <em>der<\/em> Inflation sprach, dann zeigte sie uns Enkeln gern den alten 1000-Mark-Schein auf dem mit einem Stempel aufgedruckt war, dass er nun 1.000.000 Reichsmark wert sei. Und sie erz\u00e4hlte die Geschichte, dass man damit am Vortag h\u00e4tte ein Brot kaufen k\u00f6nnen, wenn es denn noch eins gegeben h\u00e4tte. Am n\u00e4chsten Tag schon h\u00e4tte man h\u00f6chstens noch eine Scheibe Brot daf\u00fcr bekommen. Diese Erfahrung haben damals vor knapp hundert Jahren in Deutschland Millionen von (Ur-)Gro\u00dfm\u00fcttern und -v\u00e4tern gemacht und sp\u00e4ter ihren Enkeln berichtet. So sind viele von uns heute noch schnell alarmiert, wenn von Inflation die Rede ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong><em>Wie entsteht denn nun Inflation? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann das Geld seinen Wert verlieren? Fr\u00fcher glaubte man, und viele glauben das heute noch, dass der Wert des Geldes durch seine Knappheit entsteht. Je weniger Geld es gibt, desto mehr ist es wert. Deshalb glaubte man lange, dass es nur so viel Geld geben sollte, wie es Gold im Keller der Bank gab. Es zeigte sich aber insbesondere in der Phase der Industrialisierung, dass der Bedarf an Geld sehr viel schneller wuchs als die Goldreserven. So schuf man z.B. den Wechsel, der unter Kaufleuten \u00e4hnlich wie Geld verwendet wurde, die Banken gaben sehr viel mehr Kredite als durch ihre Goldreserven gedeckt waren und irgendwann gab man die Goldbindung ganz auf, weil man erkannt hatte, dass sie f\u00fcr das Geldsystem nur hinderlich war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wert des Geldes bemisst sich nun danach, was man daf\u00fcr kaufen kann. Das hei\u00dft, er h\u00e4ngt einerseits davon ab, wie viel Geld die Menschen in einem Monat so durchschnittlich ausgeben k\u00f6nnen und wollen und andererseits, wie viel in diesem Monat durchschnittlich an G\u00fctern und Dienstleistungen produziert werden kann. Steigen die Produktion und L\u00f6hne im gleichen Verh\u00e4ltnis (und wird auch nicht mehr gespart), dann bleibt der Geldwert gleich. Steigt die Produktion st\u00e4rker als die L\u00f6hne, dann m\u00fcssten die Preise sinken, damit alle Produkte verkauft werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Produzenten und H\u00e4ndler haben aber mit den bisherigen Preisen kalkuliert und geplant. Sie k\u00f6nnen und wollen daher die Preise nicht unmittelbar senken. So bleiben einige auf den Waren sitzen und gehen pleite oder sie m\u00fcssen die Waren so billig verramschen, dass sie Ihre Kredite nicht mehr bedienen k\u00f6nnen. Wir haben dann Deflation. Das Geld ist jetzt zwar mehr wert, aber die Kreditr\u00fcckzahlung wird dadurch schwerer, weil die Kredite ja zum Nominalwert (zum urspr\u00fcnglichen Preis) zur\u00fcck gezahlt werden m\u00fcssen. Wenn nun Firmen pleite gehen, weil nicht mehr alles gekauft werden kann, was produziert wurde, wird zwar jetzt weniger produziert. Das hei\u00dft aber nicht, dass nun wieder alles verkauft werden kann, denn durch die gestiegene Arbeitslosigkeit ist auch die Kaufkraft weiter gesunken. Es entsteht weiterer Druck auf die Preise &#8211; ein Teufelskreis beginnt, den nennt man dann Rezession. Eigentlich denken wir ja, dass das eine gute Sache ist, wenn die Preise sinken.  Aber unser kapitalistisches Wirtschaftssystem reagiert darauf sehr zuverl\u00e4ssig  mit Rezession, Krise und Arbeitslosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong><em>Ohne Inflation geht die Wirtschaft kaputt<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unser Wirtschaftssystem funktioniert also gar nicht ohne ein bisschen Inflation. In der Eurozone hat man sich deshalb darauf geeinigt, dass eine Inflationsrate von 2% pro Jahr geld- und wirtschaftspolitisch angestrebt werden soll.<sup> 1)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Wie bekommen wir nun das n\u00f6tige Ma\u00df an Inflation? Wie oben gesagt, bemisst sich der Geldwert danach, was die Leute so durchschnittlich im Monat ausgeben und dem was so in einem Monat produziert wird. Es ist also recht  einfach: Wenn wir ein bisschen Inflation wollen, dann m\u00fcssen die L\u00f6hne ein bisschen st\u00e4rker steigen als die Produktion. Das f\u00fchrt dann erst einmal zu leichten Preissteigerungen. Dann reagieren aber einige Betriebe auf die steigende Nachfrage mit Produktionssteigerungen. Dazu m\u00fcssen sie mehr Personal und\/oder mehr Maschinen einsetzen. Beides f\u00fchrt zu mehr Besch\u00e4ftigung, entweder direkt im Betrieb oder beim Maschinenbauer. Erst wenn die Wirtschaft voll ausgelastet ist, also bei Vollbesch\u00e4ftigung, f\u00fchren weitere Lohnsteigerungen zu mehr Inflation. Das Ganze ist auch als <em>goldene Lohnregel<\/em><sup> 2)<\/sup> bekannt, welche besagt, dass die L\u00f6hne in einem Land immer so steigen sollten wie die durchschnittliche Produktivit\u00e4t plus der geplanten Inflationsrate.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em><strong>Wenn der Staat Geld druckt<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was passiert nun, wenn der Staat viel frisch gedrucktes oder geliehenes Geld ausgibt? Es passiert das Gleiche, wie bei einer allgemeinen Lohnerh\u00f6hung: Es kommt zu leichten Preissteigerungen,  die aber schnell durch Produktionssteigerungen ausgeglichen werden, so lange die Wirtschaft noch Arbeitskr\u00e4fte findet. Erst bei Vollbesch\u00e4ftigung (in Europa) m\u00fcssten die Staatsausgaben gedrosselt (oder die Steuern erh\u00f6ht) werden. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr unsere Corona-Krise hei\u00dft das: Erst wenn die Rettungsprogramme gr\u00f6\u00dfer sind als die Einkommensverluste durch den Corona-Lockdown, wird die sch\u00e4dliche Deflation vermieden. Erst wenn dann noch mehr ausgegeben w\u00fcrde, k\u00f6nnte die Arbeitslosigkeit in Europa abnehmen und erst danach k\u00f6nnten wir langsam mit steigender Inflation rechnen. Allerdings  gehen viele Experten davon aus, dass die bisher beschlossenen Programme bei weitem nicht ausreichen werden, um die Kaufkraftverluste auszugleichen und Europa aus der Krise zu bringen. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2020\/06\/wumm-ohne-mumm\/\" target=\"_blank\">Olafs &#8222;Wumm&#8220; ist dazu viel zu mickrig.<\/a><br>________<\/p>\n\n\n\n<ol><li>) Ob 2% ausreichend oder eher zu wenig sind, kann hier nicht diskutiert werden.<\/li><li>) siehe dazu Heiner Fla\u00dfbeck: <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2019\/08\/tunnelblick-oder-durchblick\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/makroskop.eu\/2019\/08\/tunnelblick-oder-durchblick\/<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">  Foto: Dieter Sch\u00fctz \/ PIXELIO<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>130 Milliarden will die Bundesregierung ausgeben, Europa plant gar 500 Milliarden (500.000.000.000\u20ac) Mehrausgaben, um die Wirtschaft in der Corona-Krise zu stabilisieren. 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